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30.11.2015 09:23

Asylothek

Information / Neues zur Situation der Flüchtlinge in unserer Pfarrei / Stadtgebiet


Wie von Ihnen wahrscheinlich kaum wahrgenommen bzw. bemerkt, wohnen in unserem Stadtgebiet ca. 300 Geflüchtete, teilweise auch in unserem Pfarrgebiet, aus vielen Nationen, z.B. Afghanistan, Irak, Syrien, Äthiopien und Geflüchtete aus den Westbalkanländern. Da Letztere keine Chance auf einen Aufenthaltsstatus bei uns bekommen, reisen die meisten von ihnen jetzt freiwillig wieder in ihr Land zurück. 

Die Mehrzahl der Geflüchteten sind junge Männer, es sind jedoch auch komplette Familien mit Kindern wie auch Väter mit einem Teil ihrer Kinder dabei. Die Allermeisten warten noch auf ihr Asylverfahren, d.h. die Anhörung beim Bundesamt für Migration, manche schon über ein Jahr und sie hoffen natürlich auf eine Anerkennung mit Bleiberecht.

Weitere 150 neue Geflüchtete sollen demnächst noch hinzukommen und in die früher schon belegte Unterkunft in die Schloßstraße einziehen. In dieser Unterkunft versuchen wir einen Raum für die Einrichtung einer „Asylothek“ zu bekommen, wo wir in einem Team von Ehrenamtlichen Integration in Form von Deutschunterricht, Informationen, gemeinsamen Treffen für Kinder und Erwachsene anbieten wollen. Mehr dazu, auch weitere Aufrufe für die Mitarbeit, wenn mehr Klarheit herrscht. 

Ein Grund, warum Sie diese jungen Männer kaum zu Gesicht bekommen, ist, dass sie in Schulen gehen oder Deutschunterrichte besuchen.  

Um ihre Mobilität zu erhöhen, repariere ich mit den Geflüchteten ihre Fahrräder und sammle auch seit einigen Monaten gebrauchte Fahrräder, die wir gemeinsam mit der „Bike-Kitchen“, einer ebenfalls ehrenamtlichen kleinen Gruppe in der Dagmarstraße reparieren, verkehrstüchtig herrichten und an die Geflüchteten weitergeben. Allein aus unserem Pfarrgebiet konnte ich bisher schon über 30 Fahrräder abholen. Insgesamt konnten wir damit mit der Bike-Kitchen schon über 150 Fahrräder bekommen und davon über 100 Fahrräder hergerichtet an die neuen stolzen Besitzer weitergeben. Unsere Warteliste für die von den Geflüchteten gewünschten Fahrräder ist nach wie vor lang, aber jetzt ist mit der kalten Jahreszeit ja vorerst etwas Ruhe eingekehrt. Wir erwarten nach der neuen Belegung der Schloßstraße wieder einen verstärkten Bedarf an Fahrrädern im neuen Jahr, sodass die “Suche“ und der Aufruf nach Gebrauchtfahrrädern weiterhin gilt – siehe Aushänge an der Kirche.

Zunächst möchte ich all denen herzlich danken, die bereits Fahrräder zur Verfügung gestellt haben.

Erstaunlich ist, dass sehr viele die Verkehrsregeln und Verkehrszeichen nicht kennen, deshalb bereiten wir eine Verkehrsschulung  für das Frühjahr vor. Leider war dazu von der Polizei wegen Personalmangels, auch nach mehrmaligem Nachfragen und Bitten  keine Unterstützung zu bekommen.

Zusammen mit St. Peter, dem Zeltnerschloss, der Luise und dem BRK, dem sozialem Träger, der bisherigen Einrichtungen in unserem Stadtteil, haben wir einen erstaunlich großen Helferkreis von Ehrenamtlichen aufgebaut, der im Wesentlichen Hausaufgabenhilfe, Deutschunterricht, Kontakte im Kontakt-Cafe in St. Peter anbietet.Ja auch „Privatunterricht“, sogenannte Sprachpatenschaften, benötigen die jungen Männer und natürlich auch die Frauen, denn ohne gute Deutschkenntnisse sind sie auf dem Arbeitsmarkt nahezu chancenlos. Meine Frau gibt ehrenamtlich Deutschunterricht in der Scharrerschule für geflüchtete Kinder und Jugendliche, ich selbst bin, wie einige Weitere, Sprachpate. Mein „Schützling“ ist ein junger Äthiopier, der mit 19 aus seinem Land floh und nahezu 5 Jahre auf der Flucht war, bis er nach Deutschland kam, davon über ein Jahr im Gefängnis in Libyen. Es macht mir Freude mit ihm und auch in der „Fahrradwerkstatt“ zu arbeiten. Auch wenn die Kommunikation noch schwierig ist, so ist es auch für mich eine Bereicherung und ich kann meinen / unseren kleinen Teil zur Integration dieser teilweise noch traumatisierten Menschen in unsere Gesellschaft beitragen.

Toni Absenger